Chinesische Mauer

長城

 

 

Die Chinesische Mauer (萬里長城, 10.000 Li lange Mauer; 中國長城,  Lange chinesische Mauer), auch Große Mauer genannt, ist eine historische Grenzbefestigung, die das chinesische Kaiserreich vor nomadischen Reitervölkern aus dem Norden schützen sollte.
Nach einer neuerlichen Vermessung durch chinesische Behörden im April 2009 wurde die Länge der chinesischen Mauer mit 8851,8 km angegeben. In dieser Zahl sind aber auch 2233 km Naturbarrieren wie Flü

sse und Berge enthalten. Hinsichtlich Volumen und Masse gilt die chinesische Mauer als das größte Bauwerk der Welt. Dabei besteht die Mauer aus einem System mehrerer teilweise auch nicht miteinander verbundener Abschnitte unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bauweise, deren Hauptmauer 2400 km lang ist.
Der chinesische Name 10.000 Li lange Mauer beinhaltet eine Längenangabe. Ein Li entspricht etwa 575,5 m, 10.000 Li sind daher ca. 5755 km. Die Zahl 10.000 steht im Chinesischen jedoch für Unendlichkeit bzw. eine unzählbare Menge, weshalb der Ausdruck etwa unvorstellbar lange Mauer bedeutet.
Die Mauer wird heute durch staatliche Finanzierung ständig restauriert. Der bekannteste restaurierte Mauerabschnitt erstreckt sich bei Badaling, 70 km nordwestlich von Peking.
 
Geschichte
 
Erste mauerartige Grenzbefestigungen entstanden wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. in der Zeit der Streitenden Reiche als Schutz gegen die sich untereinander befehdenden Chinesen. Diese einzelnen Mauerabschnitte bestanden aus festgeklopftem Lehm, der zur besseren Haltbarkeit mit Stroh- und Reisigschichten vermischt wurde.
214 v. Chr. ließ der erste chinesische Kaiser, Qin Shihuangdi, Schutzwälle errichten, die das chinesische Kaiserreich, nach der Expansion über den Gelben Fluss, gegen die Völker aus dem Norden, vor allem die Xiongnu, schützen sollte. Im Unterschied zu schon vorhandenen alten Mauerresten wurde die Mauer nicht in den Tälern, sondern unterhalb der Kammlinie der Gebirge an den Nordabhängen errichtet. Sie bestand wegen des Fehlens von Lehm größten Teils aus aufeinander geschichteten Natursteinplatten.
Seitdem wurde die Mauer immer wieder aus- und umgebaut. So wurden beispielsweise in der Jin-Dynastie (11251234) gelegentlich Strafexpeditionen in die Mongolei unternommen und ab 1192 auch die Große Mauer verstärkt. Die heute bekannte Form (siehe Bild) erhielt sie in der Zeit der Ming-Dynastie, der letzten großen Ausbauphase. 1493 begann unter Kaiser Hongzhi der Bau der Ming-Mauer, die dem Schutz gegen die Mongolen und der besseren Überwachung des Handels dienen sollte, und zu deren Verteidigung in den Neun Garnisonen der Ming etwa 300.000 Soldaten stationiert waren. Ihr Verlauf folgte den Bergkämmen, eine besonders aufwendige und teure Bauweise. Sie wurde weitgehend aus gebrannten Steinen und zum Teil auch aus Natursteinen errichtet. Der verwendete Mörtel bestand aus gebranntem Kalk und Klebreis Das Innere des Mauerwerks füllte man mit Lehm, Sand und Schotter.
Die Maße der Mauer sind recht unterschiedlich; im Gebiet von Peking sind 4 bis 8 m Breite auf der Krone und 10 m an der Basis sowie eine Höhe von 6 bis 9 m üblich. Im Abstand von einigen hundert Metern wurden ungefähr 12 m hohe Türme errichtet, die als Waffenlager und Signaltürme dienten. Daneben boten sie bei Angriffen Schutz für die Verteidiger. Es wird geschätzt, dass bis zu 25.000 solcher Türme in der Mauer integriert waren und dass 15.000 weitere Signaltürme die Kommunikation mit der Hauptstadt sichern sollten. Reste von Signaltürmen wurden noch bei Kaschgar gefunden, der alten Handelsstadt in Chinas äußerstem Westen.
Die Wachtürme wurden nach einem einfachen Prinzip benachrichtigt, wenn Gegner in Sicht waren. Durch ein Feuer auf dem Turm, an dem eine Sichtung stattfand, konnten benachbarte Wachtürme informiert werden. Dies wurde durch Sichtabstand der Türme ermöglicht, welche dann die Warnung durch Feuerzeichen weitergeben konnten.
Auf der berühmten Chinakarte des flämischen Kartografen Abraham Ortelius, die 1584 im Atlas Theatrum Orbis Terrarum erschienen ist, ist auch die Chinesische Mauer abgebildet. Diese nach Westen ausgerichtete Karte ist die erste in Europa gedruckte Karte von China. Die Länge der Chinesischen Mauer wurde jedoch von dem Kartografen stark unterschätzt. Der lateinische Text neben der Mauer lautet: Murus quadringentarum leucarum inter montium crepidines a Rege Chinæ contra Tartarorum ab hac parte eruptiones extructus. Auf Deutsch: Eine vierhundert Meilen lange Mauer wurde zwischen den Bergkämmen vom König von China gegen die Invasionen der Ta(r)taren in diesem Gebiet erstellt.
Das System der Mauern war insgesamt ursprünglich ausgedehnter als lange angenommen. Schon Sven Hedin und Folke Bergman entdeckten während ihrer Chinesisch-Schwedischen Expedition 19271935 Reste der Großen Mauer in der Wüste Lop Nor, die Folke Bergman 1937 beschrieb. Chinesischen Wissenschaftlern wurde sein Buch 2000 in einer chinesischen Übersetzung zugänglich gemacht; daraufhin suchten sie Anfang 2001 die dort beschriebenen Signaltürme der Chinesischen Mauer in der Wüste Lop Nor auf, die sich fast 500 km westlich der Festung Jiayuguan befinden, die bei den chinesischen Wissenschaftlern bis dahin als westlicher Endpunkt der Mauer galt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Teil der Mauer gebaut wurde, um die mittlere Route der Seidenstraße zu schützen, auf der reich beladene Handelskarawanen nach Westen zogen, aber sie vermuten, dass das Ende der Mauer nicht hier gelegen hat.
 
Mauern verschiedener Staaten und Dynastien

Name

Zeitrahmen

Chin.

Bemerkungen

Chu

722221 v. Chr.

Chu changcheng

Verteidigungsmauer des Königreichs Chu im Dreieck Hubei, Shaanxi und Henan. Bisher nicht lokalisiert.

Zhao

424222 v. Chr.

Zhao changcheng

Königreich Zhao aus der Zeit der Streitenden Reiche

Große Mauer aus dem Staat Wei (Huayin)

445225 v. Chr.

Wei changcheng yizhi

Die Verteidigungsmauer von König Hui von Liang in Hexi, Liang Hui Wang Hexi changcheng während der Wei-Dynastie aus der Zeit der Streitenden Reiche

Yan

353290 v. Chr.

Yan changcheng

Königreich Yan aus der Zeit der Streitenden Reiche

Erd- oder Steindrache

Qin

361221 v. Chr.

Qin changcheng

Erste Große Mauer unter Qin Shihuangdi am Ende der Zeit der Streitenden Reiche.

Guyang (Qin) (Guyang Qin changcheng), Große Mauer aus dem Staat Qin von Nalinta (Nalinta Qinguo changcheng yizhi), Qinzeitliche Große Mauer von Xiaoyutai in Xiaoyutai, Yinshan, Innere Mongolei (Neimenggu Yinshan Xiaoyutai Qin Changcheng u.a.

Große Mauer der Han-Dynastie

206 v. Chr.8 n. Chr., 25 220

Han Changcheng

Han-Dynastie, siehe auch Große Mauer westlich des Gelben Flusses, Loulan

Nördliche Wei

(352?) 386 584

Bei Wei Changcheng

Nördliche Wei-Dynastie Hexi-Abschnitt 352 361, Henan-Abschnitt n. bekannt

Große Mauer der Östlichen Wei (Dong Wei, 534-550) Dong Wei changcheng

Nördliche Qi

550 577

Bei Qi changcheng

Nördliche Qi-Dynastie

Nördliche Zhou-Dynastie

557 581

Bei Zhou changcheng

Verteidigungsmauer der Nördlichen Zhou-Dynastie

Sui

581 618

Sui Changcheng

Sui-Dynastie

Große Mauer der Tang-Dynastie

618 907

Tang changcheng

Mudanjiang-Grenzmauer der Tang-Dynastie, der nordöstlichste Teil der Großen Mauer

Song

960 1126

Bei Song changcheng

Song-Dynastie. Zusätzlich die Weidezweiggrenze (柳條邊, liutiao bian)

Liao

1066 1125

Liao changcheng

Liao-Dynastie

Jin

1125 1234

Jindai Changcheng

Jin-Dynastie der Dschurdschen

Ming

1368 1644

Ming changcheng

Ming-Dynastie. Große Mauer in Shijiazhuang

Große Mauer in Südchina

1368 1644

Miaojiang changcheng

Miaojiang-Grenzmauer, kein Teil der Großen Mauer

Situation heute
 
Während einige Teile der Mauer in der Nähe von Touristenzentren erhalten oder sogar restauriert wurden, sind große Teile der Mauer heute in schlechtem Zustand. Teilweise werden sie von den Dorfbewohnern aus der Nähe als Steinquelle für Häuser und Straßen genutzt. Abschnitte der Mauer wurden auch mit Graffiti bemalt oder wurden eingerissen, um Platz für andere Bauvorhaben zu schaffen. Seit 2006 ist die Mauer geschützt, und es ist verboten, sie als Steinbruch zu nutzen. Die Gesellschaft der großen chinesischen Mauer setzt sich für die Erhaltung ein.
Insgesamt ist die Große Mauer noch sehr schlecht wissenschaftlich erforscht und beschrieben. Die historischen Quellen sind nicht einheitlich erfasst und sehr verstreut. Die nationale, chinesische Kulturerbe-Behörde hat zwischen 2007 und 2009 die Chinesische Mauer vermessen lassen. Damit sollte auch die geographische Lage und der Zustand der Mauer ermittelt werden. Nach den Ergebnissen der Vermessung durch die Staatsbehörden für Kartografie und Denkmalschutz sind von den insgesamt etwa 8.850 km nur 513 km der Mauer in gutem Zustand.
 
Die UNESCO erklärte die Chinesische Mauer 1987 zum Welterbe.
 
2007 wurde die Chinesische Mauer von weltweit 70 Millionen Menschen im Rahmen einer Privatinitiative zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt. Sowohl die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten sich von der als private Kampagne ohne wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl.
 
Sichtbarkeit aus dem Weltraum
 
Schon seit längerer Zeit wird behauptet, dass die Chinesische Mauer das einzige Bauwerk sei, das man mit bloßem Auge aus dem Weltraum sehen könne. Bei der bekannten Breite der Mauer müsste man nach dieser Vorstellung allerdings auch jede bessere Landstraße aus dem Weltraum erkennen können. Bisher hat noch kein Astronaut die Chinesische Mauer mit bloßem Auge erkennen können. Was man jedoch bei sehr guten Sichtverhältnissen aus großer Höhe sehen könnte, wäre der Schatten der Mauer, wenn im Winter die Sonne tief steht und die Mauer ein breites Schattenband erzeugt.
Der erste Raumfahrer Chinas Yang Liwei sagte nach seinem Raumflug im Oktober 2003: Die Aussicht war wunderschön. Aber ich konnte die Chinesische Mauer nicht sehen. Die chinesische Regierung ließ daraufhin neue Schulbücher drucken, in denen dies geändert wurde. Schon der US-amerikanische Astronaut James Irwin hat nach seiner Apollo-15-Mission erklärt, es sei unmöglich, die Große Mauer zu sehen.
Leroy Chiao konnte 2005 von der Raumstation ISS aus die Chinesische Mauer fotografieren. Er benutzte dazu einen handelsüblichen Fotoapparat und ein 180-mm-Teleobjektiv. Beim Fotografieren war er sich jedoch nicht sicher, ob er die Chinesische Mauer im Sucher hatte. Mit bloßem Auge konnte er die Chinesische Mauer nicht ausmachen.
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Begriff Weltraum denkbar unscharf definiert ist. Die meisten bemannten Raumfahrten der Vergangenheit fanden in einer Höhe von 300 bis 600 km statt. Zum Vergleich: Die Distanz ErdeMond beträgt etwa ca. 380.000 km. Das Bauwerk vom Mond aus zu sehen, wäre unmöglich.
 
Die Mauer als Thema in der Kunst
 
Das Thema der Chinesischen Mauer ist vielfach und in unterschiedlicher Weise in künstlerischen Werken aufgenommen worden. Das Sujet haben Franz Kafka in seinem Erzählfragment Beim Bau der Chinesischen Mauer (1917) oder Max Frisch in seinem Drama Die Chinesische Mauer (1946) literarisch aufgearbeitet.

Chinesische Mauer - DIE KARTE

 

Chinesische Mauer

 

 

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